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Von Wolfsrissen bis Grossprojekten – Gemeindepräsident Martin Cavegn informierte über die Zukunft von Tujetsch

Gemeindepräsident Martin Cavegn informierte über aktuelle Entwicklungen und die Zukunft von Tujetsch.

Rund 70 Besitzer:innen und Dauermieter:innen von Zweitliegenschaften folgten am 28. Juli der Einladung von Gemeindepräsident Martin Cavegn in die Turnhalle des Schulhauses Sedrun. Bereits zum wiederholten Mal informierte er auf Wunsch der IG Tujetsch aus erster Hand über aktuelle Entwicklungen in der Gemeinde. Während rund zwei Stunden spannte sich der Bogen von Natur- und Umweltthemen über Tourismus und Gemeindestrategie bis hin zu laufenden und geplanten Grossprojekten.

Wolf, Herdenschutzhunde und die Rückkehr des Wachtelkönigs

Den Auftakt machte Martin Cavegn mit dem Schafsriss vom 25. Juli oberhalb des Lai da Nalps. Er schilderte, wie nach einem solchen Ereignis vorgegangen wird: Das gerissene Schaf wird möglichst rasch abgedeckt, damit es nicht innert kurzer Zeit von Gänsegeiern gefressen wird. Gleichzeitig werden Blut- und Gewebeproben für die DNA-Analyse entnommen. Im konkreten Fall waren die Schafe am Abend eingezäunt worden. Das gerissene Tier war jedoch nicht in der Einzäunung.

Im Vergleich zu den Vorjahren seien in diesem Jahr weniger Schafe gerissen worden. Gleichzeitig ordnete Cavegn die Wolfsproblematik ein: Schweizweit sterben jährlich rund 58’000 Schafe (Quelle: Webdienste des Schweizer Parlaments. Davon werden etwa 1’000 vom Wolf gerissen. Die weitaus meisten Tiere verenden durch Abstürze oder Krankheiten. Rund zwei Drittel der Jungwölfe würden das erste Lebensjahr nicht überleben. Zudem bestehe die Gefahr, dass nach Abschüssen männliche Wölfe aus anderen Rudeln einwandern.

Auch die Herdenschutzhunde kamen zur Sprache. Sie würden ihre Aufgabe sehr gut erfüllen und die Herden konsequent schützen. Gleichzeitig hätten sie aber Auswirkungen auf die Wildtiere. Aufgrund der zahlreichen Herdenschutzhunde sei der Bestand der Gämsen stark zurückgegangen resp. ihre Einstandgebiete haben sich stark verschoben. Aufgrund der vielen Vorfälle mit Herdenschützhunde habe die Gemeinde vor zwei Jahren entschieden, auf der Nordseite bis auf weiteres keine Schafe mehr zu sömmern.

Erfreuliche Nachrichten gab es hingegen aus der Vogelwelt. Nachdem im vergangenen Jahr Biber und Fischotter zurückgekehrt seien, könne inzwischen auch vermehrt der Wachtelkönig wieder in Tujetsch beobachtet werden.

Verhalten bei Herdenschutzhunden

Martin Cavegn empfahl bei Begegnungen mit Herdenschutzhunden:

  • Ruhe bewahren und stehen bleiben.
  • Mit dem Hund sprechen.
  • Allenfalls ein Leckerli anbieten.
  • Akzeptieren, wenn der Hund den Weg nicht freigibt, und nötigenfalls umkehren.

Hohe Investitionen bleiben für den Wintertourismus notwendig

Anschliessend richtete Martin Cavegn den Blick auf die Bergbahnen und die Entwicklung des Wintertourismus. Die Gemeinde Tujetsch ist mit 2,67 Prozent an den Bergbahnen Andermatt–Sedrun beteiligt. Auch für die Gemeinde sei der Wegfall des langjährigen Rabatts für Zweitheimische überraschend gekommen.

Die Ferienregion Andermatt–Sedrun–Disentis verfolgt das Ziel, eine schneesichere Destination zu bleiben. Dies erfordere weiterhin hohe Investitionen in Beschneiungsanlagen und Infrastruktur. Hinzu kämen zusätzliche Auflagen von Bund und Kantonen für Bauvorhaben im Berggebiet.

Wie wichtig diese Investitionen seien, habe der vergangene Winter gezeigt. Trotz lediglich rund vier Metern Naturschnee auf der Gurschneralp – gegenüber 10,95 Metern in der Saison 2023/24 – konnte das ganze Skibetrieb dank moderner Beschneiungsanlagen, genügend Wasser und bezahlbarer Energie, bis Ostern aufrechterhalten werden. Die Schneesicherheit habe dazu geführt, dass zahlreiche Gäste aus schneeärmeren Gebieten wie Brigels oder Obersaxen zum Skifahren nach Sedrun kamen. Auch viele Gäste aus Disentis nutzten das Angebot. Disentis werde seinerseits weiter in Beschneiungsanlagen investieren.

Im Zusammenhang mit den Bergbahnen erläuterte Martin Cavegn auch die Rolle von Vail Resorts. Für das amerikanische Unternehmen stehe nicht allein Gewinn oder Verlust einer einzelnen Destination im Vordergrund. Entscheidend sei vielmehr, den Nutzer:innen des Epic Pass möglichst viele attraktive internationale Skidestinationen anbieten zu können. Dadurch könnten weltweit zusätzliche Pässe verkauft und Investitionen in die einzelnen Destinationen ermöglicht werden.

Die Feriendestination Andermatt–Sedrun–Disentis

Andermatt–Sedrun–Disentis tritt als gemeinsame Feriendestination auf. Martin Cavegn informierte über den Strategieausschuss STRAUS, der sich mit Vertreterinnen und Vertretern verschiedener Institutionen und Organisationen mit der zukünftigen Entwicklung der Destination befasst. Das Gremium setzt sich vor allem für die Bestimmung einer gemeinsamen Strategie und unter anderem auch für attraktive Vertragslösungen mit Mobilitätsanbietern sowie für touristische Projekte, beispielsweise eine Kügelibahn, ein. Für diese Aufgaben stehen jährlich rund CHF 150’000 sowie zusätzliche Mittel für spezifische Projekte zur Verfügung. Martin Cavegn präsidiert den Strategieausschuss.

Neue Strategie für die Gemeinde

Mit Blick auf die Wahlen im Mai 2026 wurde die Erarbeitung einer neuen Strategie initiiert. In einem partizipativen Prozess wurde eine neue Strategie für die kommenden Jahre entwickelt.

Die Vision sieht einen Wohn- und Lebensraum vor, der Familien anzieht. Martin Cavegn erläuterte auch die Mission der Gemeinde. Die Legislaturplanung 2026 bis 2029 ist inzwischen abgeschlossen. Zahlreiche Projekte wurden mit der höchsten Prioritätsstufe versehen. Entsprechend werde in den kommenden Jahren viel Arbeit anfallen, die teilweise nur mit externer Unterstützung bewältigt werden könne.

Warum der Wohnbau für Einheimische als Schwerpunkt wichtig ist, zeigte ein Blick auf die Bevölkerungsentwicklung: Bereits 30 Prozent der Bevölkerung sind über 65 Jahre alt. Im vergangenen Jahr wurden lediglich drei Kinder geboren. Nur eines stammt aus einer Familie, die seit längerer Zeit in Tujetsch lebt. Zwischen 2011 und 2025 sind Familien mit insgesamt lediglich zehn Kindern neu nach Tujetsch gezogen.

Gäste- und Tourismustaxe

Martin Cavegn erläuterte nochmals die Gründe für die Erhöhung der Gäste- und Tourismustaxe. Seit 2018 investierten die Gemeinden Tujetsch und Disentis rund CHF 18 beziehungsweise CHF 12 Millionen in touristische Infrastrukturen. Gleichzeitig stiegen die Unterhaltskosten beispielsweise für Wander- und Bikewege, das Hallenbad oder das Center Fontauna stark an. Im Jahresbudget fehlen rund CHF 1,2 Millionen. Deshalb seien neben dem Teuerungsausgleich auch Anpassungen bei der Gästetaxe notwendig geworden.

Mit den Einnahmen soll die Region langfristig noch attraktiver werden.

Resort Dieni bleibt auf Kurs

Der Baustart des Resort Dieni ist nach wie vor für 2027 vorgesehen. Für die kantonale Auflage, wonach sämtliche Teilprojekte gleichzeitig realisiert werden müssen, konnte eine Lösung gefunden werden.

Im Zusammenhang mit dem Resort müsse die Bergbahnen den Ersatz der Sesselbahn Val Coulm durch eine Gondelbahn in Betracht ziehen. Dafür müssten viele Millionen Franken investiert werden. Die Gemeinde ihrerseits muss den Gästetransport mit Bussen sicherstellen, Parkplätze in Bugnei schaffen und die Kläranlage erweitern. Dafür sind Investitionen von rund CHF 12 Millionen vorgesehen.

Laufende und geplante Projekte

Zum Abschluss gab Martin Cavegn einen Überblick über weitere Projekte.

Laufende Projekte

  • Sedrun Solar: Bis 2029 entstehen 5’700 Modul-Tische. Das Investitionsvolumen beträgt CHF 89 Millionen. 60 Prozent werden durch Subventionen gedeckt.
  • Spiel- und Begegnungsort Drun: Ausbau für CHF 850’000. Der Platz soll ganzjährig genutzt werden können. Auch die Bedürfnisse von Rock Sedrun wurden berücksichtigt.
  • 700 Jahre Tujetsch: Gemeindearchivar Tarcisi Hendry hat das Dokument gesucht und gefunden, das die Gründung der Gemeinde belegt. Das Jubiläumsfest für alle findet am 26. September 2026 statt.
  • Golden Card: Das Projekt soll die Standortattraktivität fördern. Rund 80 Prozent der Bevölkerung sollten die Karte erwerben. Der Break-even liegt bei rund 3’100 verkauften Karten. Die dreijährige Pilotphase läuft bis 2029.

Geplante Projekte

  • Freestylepark Dulezi (Baustart noch in diesem Jahr)
  • Kletterpark beim Lai da Claus (Entscheid steht noch aus)
  • Revitalisierung des Maighelsgebiet: Nach der langjährigen militärischen Nutzung wird das Gebiet naturnah aufgewertet und schrittweise revitalisiert.
  • Sanierung und Erdbebensicherung des Schulhauses Sedrun mit einer multifunktionalen Nutzung (Entscheid steht noch aus)
  • Projekt für die Neunutzung des Schulhauses Rueras
  • Umbau des Bahnhofs im Jahr 2028
  • Neubau eines Coop auf dem Areal der heutigen Sägerei (erst in der Vorprojektphase)
  • Initiierung eines Gesetzes zur Wohnbauförderung
  • Schaffen von Wohnraum in der Gemeinde Tujetsch
  • AIPA-Projekt mit Beteiligung von CERN, ETH und FH Graubünden; Voraussetzung wären unter anderem ein Rechenzentrum sowie Wohn- und Seminarräume
  • Weiterentwicklung von Campadi Rueras; für das neue Haupthaus werden weiterhin Investoren gesucht
  • Anpassung des Zonenplans für langfristig unbebaute Bauparzellen

Nach fast zwei Stunden Informationen klang der Abend bei einem gemütlichen Umtrunk aus. Die Besucherinnen und Besucher erhielten einen umfassenden Überblick über die Themen, welche Gemeinde und Ferienregion derzeit beschäftigen – von Natur und Tourismus über die strategische Entwicklung bis hin zu zahlreichen Projekten, die Tujetsch in den kommenden Jahren prägen werden.